Es ist ein wunderbares Gefühl, sich nach der Arbeit noch für 1-2 Stunden den Kopf frei zu radeln und danach abgekämpft auf die Couch zu fallen. Bei solchen Abendrunden entgeht man vor allem im Sommer der Mittagshitze und kann vielleicht sogar den Sonnenuntergang genießen. Für Pausen bleibt da aber meist keine Zeit…

Anders an Sonntagen. Sonntags habe ich Zeit. Zeit für die Natur. Also haben wir uns gestern in den Sattel geschwungen für eine entspannte Sonntagsrunde — ohne Eile stattdessen mit Kamera im Gepäck.

Tourdaten: Stern — Haeckelstein — Cospoth — Rabenschüssel

Hoehenprofil

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 34 km
Höhenmeter: 550 m
Singletrailanteil: 60%
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Unsere Tour ging zuerst in den Jenaer Forst. Eine der schönsten Auffahrten in den Forst findet ihr, wenn ihr entlang der Leutra fahrt, bis ihr durch einen Tunnel die Bahnschienen kreuzt. Gleich hinter dem Tunnel geht links ein netter Singletrail den Berg hoch. Der Rest des Weges bergauf ist entspannte Schotterpiste entlang am Schullandheim bis zum Stern. Vom Stern aus kann man — wie der Name schon vermuten lässt — in alle Himmelsrichtungen davon radeln. Unser Weg führte uns am Forstturm und Schottplatz vorbei Richtung Haeckelstein.

Nach ungefähr 10 Kilometern erreicht man den Haeckelstein. Am Haeckelstein ist es oft recht windig. Das ist nicht immer angenehm, wenn man völlig verschwitzt dort ankommt. Gestern hätten wir uns eher ein wenig mehr Wind gewünscht. Die Windräder auf dem Cospoth standen fast still. Umso gemütlicher lies sich aber der wunderbare Ausblick auf Jena und den Cospoth genießen.

Wer war eigentlich dieser Haeckel?

HaeckelsteinErnst Haeckel (1834–1919) war übrigens ein deutscher Zoologe, der vor allem für die Verbreitung der Darwinschen Evolutionstheorie in Deutschland bekannt wurde. Durch ihn wurde Jena zum „Mekka, wohin alle jungen Zoologen pilgerten“ und zum Zentrum des Darwinismus in Deutschland. Er war Professor für vergleichende Anatomie. In seinem Werk Anthropogenie beschreibt er die Stammesgeschichte des Menschen. Außerdem war er ein wahnsinniger guter Zeichner. Für ihn war Biologie auch Kunst. Wer mehr über Haeckel erfahren will und seine wunderschönen Zeichnungen bewundern, dem kann ich das von ihm gegründete Phyletische Museum in Jena nur ans Herz legen. Außerdem lernt man dort eine Menge über Evolution.

Nach unserer ausgiebigen Pause (mit Zeit für das ein oder andere Naturfoto), ging es weiter Richtung Cospoth. Gleich am Haeckelstein gibt es eine schöne Abfahrt Richtung Ammerbach, dann weiter einen S1 Trail entlang des Schenkenbergs bis nach Nennsdorf. Ab dort geht es wieder bergauf bis zum Cospoth. Das schwülwarme Wetter hat uns nicht nur bergauf ins Schwitzen gebracht, sondern uns leider auch noch die Mücken auf den Hals gehetzt. Notiz an mich selbst: das nächste Mal packe ich zur Sonnencreme auch noch Mücken-Spray ein…

Blick vom Cospoth Richtung Autobahntunnel

Blick vom Cospoth Richtung Autobahntunnel

Nach 17 Kilometern gab es dann wieder die Belohnung für die gestrampelten Höhenmeter: zum einen der schöne Ausblick, zum anderen (viel wichtiger) eine meiner Lieblingsabfahrten in Jena. Die Abfahrt oberhalb des Autobahntunnels bietet Wurzeln, Steine und was das Mountainbiker-Herz sonst noch so begehrt. Leider ist der untere  Abschnitt der Strecke zur Zeit ganz schön verwuchert, was den ein oder anderen Kratzer und die ein oder andere unschöne Vollbremsung mit sich brachte.

Im Tal führten uns dann Feldweg und Straße bis nach Maua, denn den kleinen Abstecher zur Rabenschüssel wollten wir uns als Krönung der Sonntagsrunde nicht nehmen lassen. Nachdem man die Saale überquert hat, findet man gleich rechts den Trail bergauf. Die Serpentinen bergauf erfordern hier einige Skills und werden außerdem durch kurze Treppen unterbrochen. Wer das schafft: Respekt. Für mich gilt hier eher „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“ (naja oder trägt…). Ab der Hälfte des Anstiegs wird der Trail aber wieder fahrbar, wenn er auch einen kräftigen Pedaltritt erfordert. Die ganze Mühe lohnt sich in jedem Fall für den wundervollen Ausblick auf Maua und sogar bis zur Leuchtenburg.

Nachdem wir noch ein wenig die Abendsonne an der Rabenschüssel genossen haben, wurde es langsam Zeit für den Heimweg (20:15 Uhr Tatort — ihr wisst schon). Die letzten Meter auf der Mittleren Horizontale waren auch hier ganz schön verwuchert — zu meinem Leid auch noch mit Brennnesseln. Nicht schön. Dafür kriegt man zwischen den Farnen aber auch ein wenig Urwald-Feeling mitten in Thüringen. Der Rest der Strecke ging entspannt über die Dörfer (Sulza, Rutha), weiter entlang der Roda und der Saale, durchs Paradies zurück in die Innenstadt. Erholt und gestärkt für die kommende Arbeitswoche.