Manchmal ist Sonntagsliebe auch Samstagsliebe. Dieses Wochenende hat es uns auf die Jenaer Schlachtfelder gezogen. Denn falls ihr es noch nicht wusstet: Napoleon hat Jena auch mal einen Besuch abgestattet — wenn man das so nennen kann…

Tourdaten: Sonnenberge — Napoleonstein — Steinbach — Windknollen

Höhenprofil von komoot.de

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 19 km
Höhenmeter: 430 m
Singletrailanteil: 72%
Tour auf komoot.de ansehen
Download gpx Daten

An der Papiermühle ging es die Sonnenberge hinauf. Die ersten 150 Höhenmeter sind steil aber einfach fahrbar. Zuerst die Straße Richtung Cospeda, dann rechts ab einen entspannten S0-Trail hinauf. Von den Sonnenbergen hat man einen wunderbaren Ausblick auf Jena.

Ausblick von den Sonnenbergen auf Jena.

Ausblick von den Sonnenbergen auf Jena.

Nach der entspannten Auffahrt durch den Wald wollten wir ein wenig mehr Ausblick, also ging es weiter entlang des weiß-rot-weißen Wanderwegs auf die Sonnenberghorizontale Richtung Landgrafen bis wir zu den Schlachtfeldern gelangten. Über die Wiesen gilt es noch die letzten Höhenmeter zu überwinden. Die Landschaft hier erinnert ein wenig an den wilden Westen. Subkontinentaler Halbtrockenrasen nennt man diese Art von Vegetation, die hier auf dem Muschelkalkplateau wächst. Von hier oben kann man den weitesten Ausblick auf Jena genießen, der mir bekannt ist. Am Napoleonstein auf dem Windknollen hat man einen Blick auf fast alle Stadtteile Jenas und kann sogar bis zur Leuchtenburg blicken.

Die Schlacht bei Jena und Auerstedt

Geschichte ist nicht gerade mein Steckenpferd, aber ein wenig Hintergrundwissen möchte ich euch trotzdem mitgeben. Napoleon Bonaparte kämpfte auf dem Windknollen im Oktober 1806 gegen die preußischen Truppen. Vom höchsten Punkt aus (dort wo heute der Napoleonstein steht) soll Napoleon die Schlacht beobachtet und geleitet haben. Der Ausgang? Schwere Niederlage für die Preußen. Und es kam noch schlimmer. Die Schlacht ist auch als „Doppelschlacht“ bekannt, weil es zur gleichen Zeit bei Auerstedt zu einer zweiten Auseinandersetzung zwischen den preußischen und französischen Truppen kam. Und diese endete ebenfalls mit einer vernichtenden Niederlage der preußischen Truppen. Wer sich mehr für Geschichte interessiert und genaueres zu den Schlachtfeldern erfahren will, der sollte sich einen Ausflug ins Museum 1806 in Cospeda (ungefähr 1km vom Napoleonstein entfernt) gönnen. Auf dem Napoleonstein selbst sind die Entfernungen zu verschiedenen Lebensstationen Napoleons eingemeißelt (Paris selbstverständlich oder auch Waterloo).

Das Bachbett des SteinbachsAm Steinbach

Nachdem wir den Ausblick über Jena ein wenig genossen hatten, ging es zurück auf die weiß-rot-weiße Horizontale. Die Strecke ist auf komoot zum Großteil als S0 gekennzeichnet, und ist bis auf ein paar wurzelige Passagen auch wirklich easy fahrbar. Der Trail führte uns bis ins Rautal und von dort über die Straße weiter zum Steinbach. Der Steinbach durchfließt das Rautal und hat sich tief in die Kalkschichten eingegraben. Im Moment liegt der Bach eher auf dem Trockenen. Die steilen Erosionsrinnen sind aber sehenswert, fühlt man sich doch ein wenig wie in einem Canyon. Vom Steinbach aus haben wir noch einen kurzen Abstecher zum Burschenplatz gemacht. In Jena gibt und gab es schon lange viele Burschenschaften, die an diesem Platz früher heimlich Turniere austrugen.  Heute ist der Platz einfach ein kleiner Rastplatz — ein schöner Ort für ein (nächtliches?) Picknick.

Die Saalehorizontale führt auch durch das Naturschutzgebiet WindknollenNaturschutzgebiet Windknollen

Weiter ging es zurück Richtung Windknollen, entlang der berühmten Winterlinge. Die bieten jetzt zu dieser Jahreszeit natürlich keinen besonders eindrucksvollen Anblick. In ihrer Blütezeit im März blickt man hier aber auf ein wunderschönes gelbes Blütenmeer. Kein Wunder, dass dieser Ort an warmen Vorfrühlingstagen unglaublich viele Wanderer und Touristen anlockt. Ich werde euch im Frühjahr darüber berichten. Unser Weg führte uns zurück ins Naturschutzgebiet Windknollen und noch einmal hinauf zum Napoleonstein. Das Naturschutzgebiet dient übrigens dem Schutz des großflächigen Halbtrockenrasens und der Nasswiesen und Tümpelkomplexe. Außerdem gibt es hier hochgradig gefährdete Orchideenarten und andere vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten. Im Naturschutzgebiet gilt: Bleibt auf den Wegen! (Und schiebt eure Fahrräder…)

Blick auf das Naturschutzgebiet Windknollen

Blick auf das Naturschutzgebiet Windknollen

Hier haben wir uns noch ein Päuschen gegönnt (die Aussicht ist einfach so schön), bevor es die Sonnenberghorizontale wieder hinab ging. Der Trail ist S1, die Schwierigkeit ist vorallem durch den losen Kalkstein bedingt, der bei nassem Wetter auch noch recht schmierig wird. Also Vorsicht! Der Trail endet in mehreren Treppenstufen, die wieder zurück zur Papiermühle führen.