Auf dem Weg zu unserer Unterkunft am Vierwaldstättersee haben wir uns lange gefragt: „Wo bleiben denn nur die Berge?“ Da der Vierwaldstättersee in den Voralpen liegt, haben die ersten Gipfel sehr lange auf sich warten lassen. Erst auf der A4 Richtung Luzern/Gotthard hat uns der erste Gipfel angelacht — und dann gleich die Königin der Berge. Und einen Tag später hatten wir sie bereits erklommen.

Die Königin der Berge

Die Rigi ist nicht ein einzelner Gipfel sondern ein ganzes Bergmassiv, an dessen Fuße sich unsere Unterkunft befand. Die Rigi liegt zwischen Vierwaldstättersee, Zugersee und Lauerzersee. Den Zugersee hatten wir auf der Anreise bereits passiert. Die Aussicht auf den Lauerzersee konnten wir von unserer Hütte aus genießen — aber den Vierwaldstättersee hatten wir bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Also wollten wir rauf auf den Gipfel und endlich den 360°-rund-um-Blick genießen. Unser Ziel war die Rigi Kulm, der mit 1797 m höchste Gipfel der Rigi.

Die letzten Höhenmeter zur Rigi Kulm mit Blick auf den Zugersee.

Die letzten Höhenmeter zur Rigi Kulm mit Blick auf den Zugersee.

Rigi ist ein Kurzwort für Riginen – so nennt man die geologischen Schichtungen, die an der Rigi-Nordseite sichtbar sind. Viel schöner finde ich aber die Erklärung, dass Rigi die Abkürzung für Regina montium — „Königin der Berge” ist.

Tourdaten: Fruttli — Rigi First — Rigi Staffel — Rigi Kulm

Höhenprofil von komoot.de

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 27 km
Höhenmeter: 1 200 m
Singletrailanteil: 53 %
Tour auf komoot.de ansehen
Download gpx Daten

Ich habe euch die gefahrenen gpx Daten unserer Tour hochgeladen. Ich würde euch allerdings raten, an einigen Stellen Veränderungen vorzunehmen.

Da unsere Unterkunft bereits einige Meter die Rigi hinauf lag, konnten wir uns die ersten Höhenmeter sparen. Die Rigi ist sehr gut erschlossen: asphaltierte Straßen führen bis weit hinauf. Das spart Kraft. Bis zur Fruttli Station der Rigi-Bergbahn waren wir fast ausschließlich auf Asphalt unterwegs und konnten uns daher entspannt auf die Aussicht konzentrieren. Von dort ging es dann links einen Abzweig hinauf. Und das war wohl unser größter Fehler der Tour, denn die folgenden 200 Höhenmeter waren eine Qual. Der Weg ist ein Wanderweg, kein Singletrail. Wir mussten die Bikes zum Großteil tragen und wurden von dem ein oder anderen Wanderer belächelt. Kein Wunder, dass wir daraufhin erstmal eine ausgiebiges Päuschen machen mussten.

Bergsturz von Goldau

Dabei hatten wir Ausblick auf den Rossberg, an dem sich 1806 eine der größten Naturkatastrophen der Schweiz ereignete: fast 40 Millionen Quadratmeter Gestein stürzten ungefähr 1000 Meter tief ins Tal und kam an der Rigi zum Liegen. Dabei kamen 457 Menschen ums Leben, die umliegenden Dörfer wurden zerstört und der Lauerzersee teilweise zugeschüttet. Die Abbruchkante lässt sich noch heute deutlich erkennen.

Blick auf den Bergsturz am Rossberg

Blick auf den Bergsturz am Rossberg

Nach unserem Päuschen kämpften wir uns weiter über die Almen auf die andere Seite der Bergkette. Ungewohnt war für uns vor allem die sehr nahen Begegnungen mit den grasenden Kühen. Anfangs waren wir ganz schön verunsichert, aber schnell haben wir gemerkt, dass Gras für Kühe interessanter ist, als Radfahrer.

Nach neun Kilometern war es dann endlich soweit: wir hatten das Bergmassiv überquert und vor uns breitete sich der Vierwaldstättersee in seiner ganzen Pracht aus. Natürlich haben wir uns auch hier wieder eine Pause gegönnt: diesmal mehr zum Fotografieren als zum Ausruhen. Eigentlich sollte uns unser Weg von hieraus weiter über den Seeweg Richtung Rigi Scheidegg führen. Nachdem der Anstieg ab Fruttli jedoch mehr Kraft als nötig gefressen hat und der Seeweg wiederum mehr nach Wanderweg als nach Fahrradtrail aussah, entschieden wir uns für den entspannter aussehenden Schotterweg Richtung Rigi First.

Blick auf den Vierwaldstättersee

Blick auf den Vierwaldstättersee

Die Bergbahnen zur Rigi Kulm laufen an der Station Rigi Staffel zusammen.

Die Bergbahnen zur Rigi Kulm laufen an der Station Rigi Staffel zusammen.

Dort gibt es einige Restaurants und mehrere Wanderwege Richtung Rigi Kaltbad, Rigi Rotstock und Rigi Kulm. Hier haben wir dann wohl die zweite dumme Entscheidung dieser Tour getroffen und sind dem Firstweg gefolgt. Der Weg führte uns zuerst entspannt zu einer weiteren Station der Bergbahn — und endete dort plötzlich. Nach kurzer Beratung mit einem freundlichen Bergbahnführer wechselten wir auf den Wanderweg. Und dort erwarteten uns die nächsten 150 Höhenmeter auf denen ich mein Bike mehr schieben musste als ich fahren konnte. Ziemlich erschöpft kamen wir an der Rigi Staffel an. Von Rigi First aus gibt es noch einen anderen ausgeschilderten Weg Richtung Rigi Staffel. Von oben betrachtet sind wir uns ziemlich sicher, dass dieser Weg der angenehmere gewesen wäre.

Wo fahren wir lang? Im Hintergrund lockt die Rigi Kulm.

Wo fahren wir lang? Im Hintergrund lockt die Rigi Kulm.

Die folgenden 200 Höhenmeter bis zum Gipfel der Rigi-Kulm ging es noch einmal richtig steil bergauf. Hier haben die Oberschenkel schon ganz schön gebrannt, aber der Weg ist asphaltiert, was das Fahren zumindest ermöglicht. Man muss also “nur“ den inneren Schweinehund bekämpfen und damit leben, dass einem der ein oder andere Wanderer verwundert oder bewundernd hinterher blickt.

Rigi Kulm

Die Rigi Kulm ist wie bereits erwähnt der höchste Gipfel der Rigi und der Ausblick ist atemberaubend. Man überblickt den Vierwaldstättersee, Zugersee und Lauerzersee, kann Richtung Norden den Blick über das Flachland streifen lassen und Richtung Süden sehnsuchtsvoll in die Gipfel der Voralpen blicken. Bei Sonnenauf- und -untergang, soll man hier angeblich ein Feuerwerk der Farben erleben. Getestet haben wir das selbst nicht, aber in unserer Unterkunft haben wir sowohl in den Morgen- als auch in den Abendstunden viele Radfahrer beobachten können, die sich ihren Weg hinauf kämpften oder bereits wieder hinab rollten. Wem die 1200 Höhenmeter dann doch zu viel sind, der kann auch eine der vielen Zahnrad- oder Seilbahnen nutzen, die auf die Rigi fahren.

Ausblick von der Rigi Kulm auf den Vierwaldstättersee und den Zugersee. In der Ferne lassen sich auch der Sempachersee, der Baldeggersee und der Hallwilersee (Richtung Nordwesten) und der Sarnersee (Richtung Südwesten) erahnen.

Ausblick von der Rigi Kulm auf den Vierwaldstättersee und den Zugersee. In der Ferne lassen sich auch der Sempachersee, der Baldeggersee und der Hallwilersee (Richtung Nordwesten) und der Sarnersee (Richtung Südwesten) erahnen.

Der Weg hinab war nicht besonders spektakulär, sondern führte uns hauptsächliche über Kieswege und asphaltierte Straßen. Aber wir kamen noch an einer Käserei vorbei und mussten direkt durch eine Kuhherde, die in den Stall getrieben wurde. Also ich habe ja noch immer ein wenig Respekt vor den Tieren (eigentlich vor allen Tieren, die größer sind als ich), aber hier hat man ganz besonders gemerkt, dass Kühe einfach kein Interesse an Radfahrern haben. Wer jetzt Appetit auf Schweizer Käse bekommen hat, dem sei gesagt, dass die Käsereien hier meistens auch Direktverkauf anbieten.

Fazit
Alles in allem war das trailtechnisch nicht meine Lieblingstour während unseres Schweizaufenthalts. Der Ausblick von der Rigi Kulm ist aber wirklich lohnenswert. Wer sich also auch den Weg hinauf erkämpfen will, dem empfehle ich entweder seine Füße, die Bergbahnen oder eine andere Fahrradroute als unsere.