Die Mythen

Ausblick auf die Mythen von unserer Unterkunft

Kaum in unserer Unterkunft angekommen, haben wir uns auf der Terrasse niedergelassen, den Grill angeschmissen und die majestätische Aussicht genossen. Denn der Blick von der Terrasse fiel direkt auf das Wahrzeichen des Kanton Schwyz: Die Mythen.

Die Mythen sind ein Bergmassiv mit zwei auffälligen Gipfeln, dem Großen Mythen und dem Kleinen Mythen. Mythen meint hier nicht die Mehrzahl von Mythos, obwohl es mich nicht wundern würde, wenn es die ein oder andere sagenhafte Geschichte über diese Berge gibt. Man vermutet, dass die Bezeichnung „Mythen“ vom lateinischen Wort „meta“ abgeleitet ist, was so viel bedeutet wie „etwas Aufragendes“ — sehr passend, wie ich finde. Auf den Großen Mythen kann man wandern, der Kleine Mythen ist nicht fürs Wandern erschlossen. Unsere Biketour führte uns zuerst auf den Mostelberg und dann um die beiden Mythen herum.

Tourdaten: Lauerzersee — Engelstock — Mostelberg — Hagenegg — Holzegg — Schwyz

Höhenprofil

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 41,5 km
Höhenmeter: 1 510 m
Singletrailanteil: 42 %
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Pause auf dem Weg Richtung Engelstock mit Blick auf den Lauerzersee

Pause auf dem Weg Richtung Engelstock mit Blick auf den Lauerzersee

Da wir wieder von unserer Berghütte aus gestartet sind, durften wir erstmal knapp 200 Höhenmeter ins Tal Richtung Lauerzer See rollen. 200 Höhenmeter, die uns auf dem Rückweg (Achtung Spoiler) quälend lang vorkommen werden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals und des Sees erwartete uns der Aufstieg zum Mostelberg. Die 700 Höhenmeter bis zur Engelstockweid fuhren wir auf asphaltierten Wegen. Also ganz entspannt sollte man meinen. Nur leider nicht bei 30 Grad im Schatten. Ohne Schatten. Da haben wir einiges an Schweiß gelassen. Umso größer die Freude, als es dann endlich in den Wald ging. Bis zum Mostelberg geht es ab hier kaum noch bergauf.

Raiffeisen Skywalk

Auf dem Mostelberg befindet sich der Raiffeisen Skywalk, eine 374 Meter lange Fußgängerhängebrücke in 58 Metern Höhe. Für jeden, der sich selbst den Berg hinauf geqäult hat (zu Fuß oder auf dem Rad) und für die, die bereits die Seilbahn auf den Berg bezahlt haben, ist die Überquerung der Brücke kostenlos. Autofahrer werden gebeten zu zahlen. Auch wenn mir nicht klar ist, wer das überprüft, gefällt mir die Einstellung. Da wir nicht wussten, ob wir mit den Rädern über die Brücke kommen, haben wir unsere Tour nicht auf der anderen Seite weiter geplant. Jetzt bin ich wieder um eine Erfahrung reicher und kann euch sagen: ja man kommt mit den Bikes auf die andere Seite. Allerdings nur in diese Richtung (und natürlich schiebend). Aus der anderen Richtung dürfen nur Fußgänger die Brücke betreten. Auch Kinderwagen etc sind verboten. Das Verbot ist einfach eine Frage der Brückenbreite. Die Hängebrücke ist so schmal, dass kaum zwei Menschen aneinander vorbei passen, geschweige denn zwei Lenker.

Mir persönlich wäre es ja lieber gewesen, einfach drüber zu rollen. Schon allein, weil es schneller geht als zu Fuß. Das Geschwanke auf der Brücke bereitet mir Übelkeit. Leider kann ich auch nicht behaupten, dass uns ein atemberaubender Ausblick erwartet hat. Schon gar nicht im Vergleich zu den Ausblicken, die uns die Region sonst so geboten hat. Dafür ist der Skywalk die längste Fussgängerhängebrücke Europas. Auch irgendwie cool. Aber Länge ist eben nicht alles.

Haggenegg Pass

Wiesentrail Richtung Haggenegg Pass

Haggeneggkapelle

Haggeneggkapelle

Vom Mostelberg fuhren wir weiter in Richtung der Mythen. Zuerst wieder asphaltierte Straßen. Es war mittlerweile so heiß, dass man kleine Asphaltbläschen unter den Reifen platzen hörte. Nach gut 19 Kilometern wechselten wir endlich auf einen kleinen Trail durch Wiesen und Wald Richtung Haggenegg. Die Haggenegg ist ein Gebirgspass auf dem schweizer Teil des Jakobsweges nach Santiago de Compostela. Auf dem Pass befindet sich in 1430 Metern Höhe eine kleine Kapelle. Ich selbst bin nicht gläubig, aber ein Gottesdienst vor der malerischen Kulisse der Mythen hat sicher etwas für sich.

Nur ein paar Meter von der Kapelle entfernt befindet sich eine Käserei mit einem kleinen Laden. Wir wollten gerne ein Stück Käse kaufen und suchten nach einem Verkäufer. Bis uns klar wurde, dass hier alles auf Vertrauensbasis läuft. Man nimmt sich mit, was man möchte und bezahlt in die Vertrauenskasse. Neben Kuh- und Ziegenkäse gab es auch selbst gemachten Joghurt und verschiedene Tees und Salben. Wir haben uns noch eine kleine Dose Blackensalbe mitgenommen. Soll unter anderem gegen Insektenstiche helfen. Dafür waren wir später sehr dankbar, in der ein oder anderen Mücken geplagten Nacht.

Hinter den Mythen

Hinter den MythenVom Haggeneggpass führte unser Weg hinter dem kleinen Mythen entlang. Dort gelangten wir meiner Meinung nach auf den schönsten Trail unserer gesamten Schweizreise. Die Landschaft erinnerte mich irgendwie an Herr der Ringe. Die mit Felsbrocken gespickten Wiesen, die wilden Blumen und Farne, die mit Moos bedeckten Steine und die beeindruckenden Steilwände der Mythen. Der Trail ist zum Großteil S2 und führt die ganze Zeit langsam bergauf. An wenigen Stellen mussten wir schieben. Ich vermute, bergab in die andere Richtung lässt sich der Trail besser fahren und bietet einiges an Fahrspaß.

Der Große Mythen

Der Trail endet auf der Holzegg am Fuße des großen Mythen. Hier findet ihr auch den Ausgangspunkt für den Wanderweg auf den Gipfel. Wir wollten uns hier ein wenig orientieren: Könnte man auch mit dem Fahrrad auf die Spitze? Wie lange dauert der Aufstieg? Haben wir noch genug Zeit? Leider hatten wir das nicht. Der 2,4 Kilometer lange Aufstieg ist Schwierigkeitsgrad T3, was so viel bedeutet wie „anspruchsvolles Bergwandern“, und ziemlich steil — also nix mit Fahrrad. Für die 47 Serpentinen zum Gipfel braucht man von der Holzegg rund 1,5 bis 2 Stunden — gutes Schuhwerk vorausgesetzt. So sehr ich meine FiveTen liebe, Wanderschuhe sind es dann doch nicht. Außerdem war es bereits gegen 17 Uhr und wir hatten noch einiges an Rückweg vor uns. Der Gipfel des Großen Mythen blieb uns also leider verwehrt.

Großer Mythen

Auf dem Gipfel gibt es übrigens ein Bergrestaurant, das ungefähr ab Mitte Mai geöffnet ist. Keine Angst, man erkennt von unten an der gehissten Gipfelfahne, ob man oben sein Gipfelbier bekommt. Falls euer Urlaub um den 1. August liegt, habt ihr Glück und könnt das Höhenfeuer im Mythenkreuz beobachten. Dafür müsst ihr nicht mal auf den Gipfel — man sieht es angeblich im ganzen Tal.

Abfahrt Richtung Schwyz

Die Abfahrt war zuerst spannend und anspruchsvoll. Nervig war nur, dass man alle paar Meter anhalten muss, um ein Weidetor (oder Strick) zu überwinden. Und natürlich steht auch hier und da mal eine Kuh im Weg. Je nach Steigung ist das ab- und aufsteigen ganz schön anstrengend. Deswegen haben wir uns irgendwann für den etwas entspannteren Weg durch den Wald entschieden. Da es parallel auch eine asphaltierte Straße gibt, scheint der Waldweg nicht so frequentiert zu sein. Ganz zu unserer Freude, so begrüßte uns sogar ein kleines Reh. Den Rest der Abfahrt rollten wir auf der Straße bis hinunter ins Tal. Schwyz ist auf den kurzen Blick, den wir erhascht haben, ein wirklich hübscher Ort. Hier findet sich sicher auch eine nette Unterkunft, wenn man nicht so abgeschieden wohnen möchte wie wir.

Lauerzersee

Entlang des Lauerzer Sees radelten wir zurück Richtung Goldau. Der Radweg hier lockt definitiv zum Rennrad fahren. Und dann lagen noch die 200 Höhenmeter bis zu unserer Hütte vor uns. Wir hatten jeder knapp zwei Liter Flüssigkeit mit auf unserer Tour. Zwei Liter, die aufgrund der hohen Temperaturen längst aufgebraucht waren. Bei beiden. Umso anstrengender erschienen uns die letzten Kilometer. So endete die Tour damit, dass wir uns erst eine Flasche Wasser am Stück hinterkippten und dann bei einem kühlen, alkoholfreien Bier den Sonnenuntergang mit Blick auf die gerade umrundetet Mythen genossen.