Was gibt es schöneres als Spätsommertage? Bei sonnigen 24 Grad an einem Sonntagnachmittag kann man gar nicht anders als sich aufs Bike zu schwingen — Kater vom Vorabend hin oder her.

Aussicht auf den Hummelsberg

Und es ist eh längst an der Zeit, euch einen der schönsten Trails Jenas zu zeigen. Mit der mittleren Horizontale verbinde ich eine ganz besondere Mountainbike Erinnerung: die erste Tour auf meiner Lady. Damals noch völlig unerfahren. Keine Kondition. Keine Technikskills. Noch dazu im Frühjahr mit einigen eingeschneiten Passagen. Weite Abschnitte der Strecke für mich damals kaum fahrbar. Aber so wunderschön, dass sie für immer mein Herz gewonnen hat. Und ich wusste: Mountainbiken ist mein Sport!

Tourdaten: Steinkreuz – Lobdeburg – Mittlere Horizontale – Fürstenbrunnen

Höhenprofil

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 27,3 km
Höhenmeter: 610 m
Singletrailanteil: 82%
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Die mittlere Horizontale erstreckt sich entlang der Kernberge außen am Bergrand und bietet deswegen den schönsten Ausblick auf die Stadt. Ich empfehle die Horizontale von der Lobdeburg Richtung Steinkreuz zu fahren, andernfalls hat man den wundervollen Ausblick im Nacken.

Da wir in der Innenstadt gestartet sind, mussten wir also zuerst einmal zur Lobdeburg gelangen. Dafür hat man mehrere Möglichkeiten. Der einfachste Weg ist sicher der Radweg durch den Paradiespark bis raus nach Lobeda und dort hinauf zur Lobdeburg. Wir entschieden uns für den Aufstieg Richtung Steinkreuz. Wer viel Zeit und Kraft im Gepäck hat, kann von dort aus auf die obere Horizontale abbiegen. Die obere Horizontale führt durch den Wald, ist sehr wurzelig und überrascht mit einigen versteckten Höhenmetern. Ein schöner Trail, von dem ich euch sicher auch noch berichten werde.

Da ich mir die Kraft lieber für die mittlere Horizontale aufsparen wollte, fuhren wir zur Lobdeburg lieber die Waldautobahn über die Wölmisse.

Das Luftschiff ist kein Zeppelin

Burgrabis LuftschiffDie Wölmisse ist das Hochplateau östlich von Jena zu dessen Bergvorsprüngen die Jenaer Kernberge gehören. Auf dem höchsten Punkt des Plateaus befindet sich das Luftschiff — eine Siedlung, früher als Burgrabis bekannt, heute nach dem ehemaligen Gasthof Luftschiff benannt. Burgrabis diente im Hochmittelalter zur Versorgung der Lobdeburg. Vom Vorwerk Burgrabis sind heute nur noch Mauerreste übrig. Auch der ehemalige Gasthof wurde abgerissen. Heute umfasst die Siedlung vier, zum Teil bewohnte Gebäude. Mit Zeppelinen hatte der Name des Gasthofs übrigens nichts zu tun. Bis heute weiß man nicht genau, was der Name in diesem Zusammenhang zu bedeuten hatte.

Ausblick auf Jena Lobeda vom Johannisbergplateau

Vom Luftschiff aus fuhren wir weiter zur Lobdeburg. Zur Lobdeburg gehörten ursprünglich drei Burgen, von denen nur noch die Ruine der mittleren Burg sichtbar ist. Errichtet wurde die Burg von den Herren von Auhausen, die sich daraufhin „von Lobedeburg“ nannten.

Mittlere Horizontale

Ab hier beginnt der eigentliche Trail. Die mittlere Horizontale ist eigentlich durchgängig S1. Was sie so reizvoll macht, sind aber die teils über den Weg hängenden Felswände auf der einen Seite und der Abgrund auf der anderen Seite. Balance auf dem Bike und Schwindelfreiheit sollte man also schon haben, wenn man sich auf diesen Trail wagt. Belohnt wird man aber mit Sonne (besonders in den Nachmittagsstunden) und einem wundervollen Ausblick über Jena.

Trinken wie ein Fürst

Die erste Hälfte der Horizontale schlängelt sich entlang des Johannisbergs hinab ins Pennickental, der zweite Teil von dort wieder hinauf entlang des Hummelsbergs. Im Pennickental befindet sich der Fürstenbrunnen, die Quelle des Pennickenbacks. Ihren vornehmen Namen verdankt die Quelle dem sächsischen Kurfürst Johann Friedrich I., der angeblich auf einem seiner Jagdausflüge dort Rast gemacht haben soll. Die Quelle versorgt sogar Teile Jenas mit Trinkwasser und enthält durch den Kalkstein einen hohen Anteil an Mineralstoffen. Sollten sich eure Wasserreserven gerade dem Ende neigen — hier könnt ihr sie wieder auffüllen.

Von einstigen Dieben und Studenten

Etwa nach der Hälfte der Horizontale entlang des Hummelsbergs gelangt man zur Diebeskrippe. Hier kann man auf die schrägen Felsblöcken auf der Hangseite klettern und mit leichtem Kribbeln im Bauch eine kleine Rast einlegen. Aber passt auf, dass ihr nicht von Räubern oder Dieben überfallen werdet, die haben sich in der Vergangenheit nämlich gerne hier versteckt. Etwas weiter passiert man die Studentenrutsche. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Kalkgeröllschütte ist immer noch aktiv. Früher (als Studenten noch mutig waren) galt es als Mutprobe dort hinunter zu rutschen. Ein Glück bin ich kein Student mehr. Und wenn ich es wäre — ich wäre definitiv zu feige!

Kupferplatte

Unser letzter Stop auf der Horizontalen ist die Kupferplatte mit Aussicht über das Jenaer Stadtzentrum. Auf der Kupferplatte kann man sich einen guten Überblick über wichtige Jenaer Berge und Ausflugsziele verschaffen. Die Platte müsste allerdings mal neu justiert werden, denn so ganz stimmen die Richtungsangaben nicht mehr. Von der Kupferplatte aus startet die Abfahrt Richtung Teufelslöcher. Die Teufelslöcher sind Höhlen in den früher Alabaster für den Bau des Weimarer Schlosses abgebaut wurde. Heute leben hier viele verschiedene, teils vom Aussterben bedrohte Fledermausarten.

Fazit
Ich habe die mittlere Horizontale ins Herz geschlossen.
Kein Wanderweg Jenas ist so schön wie dieser.
Und als kleinen Geheimtipp kann ich euch verraten,
dass sich auf der mittleren Horizontalen auch ganz besonders
eine Nachtwanderung bei Vollmond lohnt.