Endlich wird es wieder wärmer, die Frühblüher haben sich aus dem Boden gekämpft, die Sonne füttert uns wieder kräftig mit Vitamin D und damit wird es Zeit, die Fahrradsaison 2017 zu eröffnen. Die wird in diesem Jahr für mich wohl ein wenig anders ausfallen als in den Vorjahren. Denn nicht nur in der Natur erblüht neues Leben, sondern auch in mir wächst Radnachwuchs heran und übt schon fleißig das Strampeln.

Da meine Schwangerschaft bis jetzt ziemlich unkompliziert verläuft, gab es für mich auch keinen Grund, auf mein liebstes Hobby zu verzichten. So lockt mich die Sonne noch immer nach draußen aufs Rad und hinauf in die Berge. Sicher nicht mehr ganz so häufig, denn der schwangere Körper braucht doch deutlich mehr Schlaf und Pausen. Aber wenn ich mich fit und ausgeschlafen fühle, will ich auch in die Pedale treten.

Radeln in der Schwangerschaft: Noch hängt der Bauch nicht im Weg.

Oft kommt natürlich die Frage auf, ob Radeln in der Schwangerschaft gut ist fürs Baby? Und die Antwort lautet schlicht und ergreifend: ja — zumindest wenn die Umstände stimmen. Sport im allgemeinen ist kein Tabu. Schwangerschaft ist ein Schonzustand, keine Krankheit. Wichtig dabei ist, auf den eigenen Körper zu hören. Es ist ok, wenn man den steilen Anstieg auf unebenem, weichem Untergrund nicht mehr schafft. Dann wird eben mal geschoben. Erinnert euch (und vielleicht auch die Mitfahrer) immer daran, wie viel mehr Leistung der Körper eigentlich vollbringt als im nicht-schwangeren Zustand. Und es ist auch ok, nicht mehr jede steile, verblockte Abfahrt mitzunehmen, um Stürze zu vermeiden. Ich glaube, das (radfahrende) Frauen ein ziemlich gutes Gespür dafür haben, was sie sich zutrauen können und was nicht — und dieses Gespür verpufft auch in der Schwangerschaft nicht. Hochleistungssport ist natürlich tabu. Aber gemäßigte körperliche Anstrengung hält nicht nur fit, sondern bereitet auch auf die Geburt vor — die bedeutet nämlich Schwerstarbeit, da sollte man möglichst fit ins Rennen gehen! Speziell Radfahren soll übrigens auch Venen- und Kreislaufproblemen vorbeugen. Spricht also alles dafür, sich in den Sattel zu schwingen, deswegen radel ich immernoch jeden Tag auf Arbeit und versuche an den Wochenenden das schöne Wetter auf 2Rädern zu verbringen.

SonntagsLiebe: Ausflug zur Tautenburg

Die Touren, die ich jetzt plane, sind natürlich ein wenig anders als gewohnt. So nimmt man schon mal ein längeres Stück Radweg in Kauf, weil es das Fahren einfach erleichtert. Der Singletrailanteil sinkt zugunsten der Waldautobahnen. Höhenmeter schrecken mich bisher noch nicht ab. Alles in allem lässt sich mein Fahrstil jetzt wohl als „langsam aber sicher“ beschreiben ?

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 37,3 km
Höhenmeter: 450 m
Singletrailanteil: 19%
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Das alles hat den Vorteil, dass ich nun wieder völlig andere Ecken des Jenaer Umlands entdecke. Die Tautenburg liegt in dem Hügelzug nördlich des Hufeisens: Tautenburger Forst – Hohe Lehde – Gleistalhänge. Auf dem Saaleradweg radelt man entspannt bis nach Golmsdorf, vorbei am Erlkönig, über die Kunitzer Hausbrücke, an der Saale entlang bis zum Porstendorfer See. Von Golmsdorf aus geht es weiter Richtung Osten. Hier hat man zunächst einen wundervollen Ausblick auf die Zietschkuppe. Bis hier übrigens auch eine schöne Strecke auf dem Rennrad.

Hinter Löberschütz wechselten wir dann endlich von Straße auf Feldweg und langsam aber stetig ging es bergauf, vorbei an der Sperberquelle bis zu einer größeren Kreuzung im Wald. Hier muss man ein wenig aufpassen, dass man von den vielen Wegen auch den gewollten einschlägt. Unser Weg führte uns weiter Richtung Tautenburg. Im Vogelgrund gibt es einen wunderschönen Rastplatz an der ehemaligen Köhlerei, der zum Verweilen einlädt. Hierhin sollte man im Sommer ruhig mal einen abendlichen Ausflug mit Grillgut und Bierchen im Gepäck planen, denn auch eine Feuerstelle ist vorhanden.

Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zur Tautenburg. Auch die Tautenburg gehörte einmal den Herren von Lobdeburg-Saalburg, ihr Name geht aber wahrscheinlich auf ihren Erbauer Tuto von Hausen zurück. Im Tautenburger Wald steht auch die Thüringer-Landessternwarte. Wir haben dorthin einen kurzen Abstecher gemacht, von außen gibt es jedoch nicht viel zu sehen. Für die Astronomie begeisterten unter euch: es gibt einen Asteroiden des Hauptgürtels, der nach Tautenburg benannt ist.

Zurück ging es über die Hohe Lehde — von wo aus man einen tollen Ausblick auf das doch etwas entferntere Jena hat. Dort oben im Wald hatten wir ganz schön mit den Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen zu kämpfen. Der Boden war stark aufgeweicht und zudem von Forstfahrzeugen völlig zerfahren. Außerdem haben uns die Stürme das ein oder andere Hindernis in den Weg gelegt. Das hat auf den letzten Metern nochmal Kraft gekostet, aber ich war an diesem Tag zum Glück sehr fit. Auf dem Heimweg radelten wir wieder entspannt den Saaleradweg — naja, mehr oder weniger entspannt, denn hier kann einem der Gegenwind schon mal kräftig in die Beine gehen.

Ich bin dankbar für die unkomplizierte Schwangerschaft, die mein Kleiner mir beschert und freue mich, wenn er im Bauch schon kräftig mitstrampelt. Ich weiß, dass sich in Zukunft vieles ändern wird und freue mich auf die neuen Herausforderungen im Leben. Und trotzdem bin ich mir über eines ganz sicher: die Liebe zu 2Rädern wird nicht vergehen und wir hoffen, dass wir unsere Leidenschaft an die nächste Generation weitergeben können.