Bei Kroatien denken viele an Meer, Felsenküste, Sonne und günstigen All-inclusive-Urlaub. Die ersten Bilder auf die ich bei meiner Recherche über Kroatien gestoßen bin, versprachen jedoch viel mehr! Besonders im Frühjahr locken die Nationalparks Kroatiens mit intensivem Grün, mit meterhohen, wasserreichen Wasserfällen, mit glasklaren, türkisblauen Flüssen und Seen, mit felsigen Schluchten und Gipfeln mit Blick aufs Meer. Und natürlich finde auch ich die kroatische Felsenküste reizvoll, das türkisblaue Meer mit metertiefem Blick bis zum Grund. Innerhalb einer Woche wurden meine Erwartungen an die Natur Kroatiens sogar noch übertroffen und ich habe dieses Land zu meinem europäischen Geheimtipp auserkoren.

Das Land außerhalb der Hauptsaison zu bereisen, kann ich übrigens wärmstens empfehlen. Gerade im April, wenn der Frühling in Kroatien bereits in vollem Gange ist, die Temperaturen aber noch erträglich, lohnen sich die Ausflüge in die besondere Natur Kroatiens. Für uns hat das Land eine nahezu durchgängig sonnige Woche mit Temperaturen um die 20 Grad bereitgehalten — perfekt zum Radeln, Wandern und Bergsteigen.

Istrien

Wir haben die wenigen Tage, die uns zur Verfügung standen, ausgiebig genutzt, sind aber trotzdem nur bis Norddalmatien gekommen. Unser erstes Reiseziel (nach 12 Stunden Anreise aus Deutschland) war die Hafenstadt Pula auf Istrien, der Halbinsel mit der berühmten adriatischen Felsenküste. Pula ist das wirtschaftliche Zentrum und die größte Stadt auf Istrien und vor allem bekannt für sein Amphitheater, das zwar etwas kleiner ist als sein großer Bruder in Rom, aber auch mit weniger Touristen überflutet wird. Für uns als Outdoor-Liebhaber, waren aber weniger die Touristenattraktionen Pulas ausschlaggebend, sondern die Nähe zum Kap Kamenjak, dem Naturschutzgebiet der Südspitze Istriens. Das Kap ist zwar kein Nationalpark, steht aber trotzdem als geschützte Naturlandschaft unter gesetzlichem Schutz. Die zwei Tage auf Istrien haben wir für zwei ausgiebige Radtouren genutzt: Die erste Tour sollte uns ums Kap führen, die zweite Tour entlang der Touristenattraktionen Pulas. Was wir auf unseren Touren erlebt haben, könnt ihr in den folgenden Beiträgen lesen. Übernachtet haben wir in einer Ferienwohnung direkt am Meer. Der Vorteil an der Nebensaison ist, dass man die schönsten Unterkünfte zu einem Spottpreis mieten kann.

Malerische Küstenroute

Von Pula aus ging es weiter gen Süden in den nördlichen Teil Dalmatiens. Wir hatten die Wahl zwischen einer Route entlang der Küste der Kvarner Bucht oder über die Autobahnen im Inland. Zeitlich unterscheiden sich beide Strecken kaum. Die Route am Wasser ist jedoch deutlich kürzer und absolut malerisch. Statt die 4 Stunden Fahrt für ein ausgiebiges Nickerchen zu Nutzen, konnte ich meine Augen nicht von der wunderschönen Küstenlandschaft Kroatiens lassen. Solltet ihr jedoch Probleme mit kurvenreichen Strecken haben, dann würde ich von dieser Route abraten. Die Straße schlängelt sich förmlich an der Küste entlang, was die kroatischen Autofahrer jedoch nicht davon abhält, einen bei jedweder Möglichkeit zu überholen (wobei „Möglichkeit“ hier wirklich eine Frage der Definition ist).

Ziel unserer Route war Starigrad, ein kleiner Ort direkt am Eingang des Nationalparks Paklenica unweit von Zadar. Unsere Unterkunft war ein Traum: direkt am Wasser mit Privat-„Strand“ — wobei der Begriff Strand hier nicht ganz treffend ist. Es handelte sich eher um eine Art Terrasse mit Einstieg ins Wasser — absolut perfekt für den besten Start in den Tag: Frühstück mit beruhigendem Blick aufs Meer! Nachdem wir in unserer wundervollen Unterkunft eingecheckt hatten und uns Maja, die liebenswerte, aufgeschlossene Gastgeberin alles gezeigt hatte, beschlossen wir, den Rest des Tages für einen Ausflug in die Hafenstadt Zadar zu nutzen.

Die Musik des Meeres grüßt die Sonne

Ein Großteil der Touristenattraktionen Zadars liegt in der Altstadt, einer Landzunge auf der alles fußläufig erreichbar ist. Wir schlenderten einmal quer durch die Altstadt, vorbei an den Hauptsehenswürdigkeiten (von denen sich die meisten rund um das römische Forum sammeln) bis zur Meeresorgel und den Gruß an die Sonne am Hafen. Diese beiden Kunstobjekte des Architekten Nikola Bašić locken viele Besucher an die Hafenpromenade — zurecht, wenn ihr mich fragt. Die Meeresorgel erzeugt Musik, indem die Meereswellen Luft in die Orgelpfeifen pressen. Der Gruß an die Sonne ist nicht nur ein Kunstwerk sondern gleichzeitig eine Solaranlage, mit der nicht nur das Kunstwerk an sich, sondern auch die Hafenpromenade beleuchtet wird. Auch hier waren wir mal wieder froh, außerhalb der Hauptsaison zu reisen. Ich möchte mir die Touristenmassen, die sich abends hier tummeln gar nicht ausmalen.

Nationalpark an Nationalpark und noch mehr außergewöhnliche Natur

In der Umgebung Zadars gibt es gleich fünf Nationalparks: Krka, Paklenica, Nördlicher Velebit, Kornaten und Plitvicer Seen. Unser erster Ausflug führte uns direkt in den Großen Canyon im Nationalpark Paklenica. Was aus unserer geplanten, entspannten (Schwangeren-tauglichen) Wanderung durch den Nationalpark wirklich wurde, könnt ihr in einem der nächsten Beiträge lesen. Nur so viel sei vorweg genommen: den darauffolgenden Tag nutzten wir zur ausgiebigen Erholung an unserem Privat-Strand. Unser zweiter Ausflug führte uns nicht in einen der vielen Nationalparks, sondern in den Krupa Canyon. Die Idee zu diesem Ausflug kam uns, nachdem wir vorher stundenlang im Internet nach dem Entstehungsort eines atemberaubenden Fotos geforscht haben. Und was soll ich sagen: es war alle Mühen wert! Nicht nur auf Foto gebannt ein einmalig schöner Ort.

Menschenleere Wildnis bevorzugt

Den Nationalpark Plitvicer Seen erreicht man von Zadar in etwa 1,5 Stunden. Da der Park aber sowieso schon auf der Rückroute nach Deutschland liegt, beschlossen wir, uns dort die letzte Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Auch hier kann ich wieder nur positiv von unserer Unterkunft berichten. Die Ferienwohnung liegt in einem winzigen Ort direkt am Rande des Nationalparks, mit Fluss direkt vor der Haustür — wie immer mit glasklarem Wasser, das zum Baden lockt, wäre es nicht so kalt gewesen. Denn im Inland waren die Temperaturen deutlich niedriger als an der Adriaküste und noch dazu wurden wir mit dem ersten und einzigen Regentag unseres Urlaubs beschert. Wir kamen mittags im Nationalpark an und hatten zuerst Bedenken, dass ein halber Tag nicht ausreichend wäre. Diese Bedenken kann ich euch getrost nehmen. Überhaupt muss ich gestehen, dass die Plitvicer Seen nicht mein Lieblingsausflug des Urlaubs waren. Mag es nun am Wetter gelegen haben oder (vermutlich eher) an den vielen Touristen — an der Natur lag es jedenfalls nicht. Denn die ist auch hier wieder atemberaubend und hat den Status UNESCO-Welterbe absolut verdient.

Nach so viel beeindruckender Natur in so kurzer Zeit war unsere Kroatien-Woche leider auch schon wieder vorbei. Mit vielen Erinnerungen und Geschichten im Gepäck machten wir uns auf die (17 stündige…) Heimfahrt. Aber Kroatien, lass dir gesagt sein: wir werden wieder kommen! Schließlich warten noch weitere sechs Nationalparks darauf, erkundet zu werden.

Alle Touren in Kroatien auf einen Blick: