Die ersten Wochen mit unserem Milchzwerg sind nun schon wieder rum und Mama, Papa, Kind gewöhnen sich langsam an den Familienalltag. Nach dem ersten Stillwahnsinn gönnt mit der Kleine nun auch mal längere Pausen und ich kann mich ab und zu wieder anderen Dingen widmen. Und damit wird es Zeit, die letzten Kroatienerlebnisse aufzuarbeiten.

Nach unserer intensiver-als-erwarteten Tour durch den Paklenica Nationalpark mussten wir uns einen Tag Pause zur Erholung gönnen. Wir waren kaum noch in der Lage die Treppe zu unserem Privatstrand hinauf und hinab zu steigen, weswegen wir es uns an eben diesem auf Liegestühlen bequem machten, ein gutes Buch oder die Angel zur Hand nahmen und uns einfach mal dem Nichtstun hingegeben haben.

Ausblick auf den Krupa Canyon

Mehr als einen Tag mit Rumliegen zu vergeuden, liegt uns dann aber irgendwie doch nicht. Und Kroatien hat noch so viel mehr beeindruckende Natur zu bieten, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Deswegen planten wir die nächste Tour in den Krupa Canyon. Der Canyon ist erstaunlich wenig bekannt. Einerseits schade (schaut euch die Bilder an und ihr wisst warum), andererseits für uns total angenehm, denn so konnten wir in Ruhe die Natur genießen. Darauf gestoßen bin ich (mal wieder) über ein Bild im Internet und es hat einiges an Recherche gebraucht, um herauszufinden, wo genau sich dieses schöne Fleckchen Erde eigentlich befindet. Das möchte ich euch hiermit erleichtern. Wenn auch weniger bekannt, handelt es sich dabei aber trotzdem um ausgeschriebene Wanderwege.

Um zum Startpunkt unserer Route zu gelangen, mussten wir zunächst mit dem Auto in das abgelegene Dorf Golubic fahren. Von Starigrad aus sind das etwa 45 Minuten Fahrt. Wundert euch nicht, dass Google Maps keine Straße bis ins Dorf kennt (es liegt wirklich abgeschieden) — es führt aber definitiv ein Weg dorthin, der zum Beispiel auf komoot auch eingezeichnet ist. Natürlich werdet ihr dort eher keine öffentlichen Parkplätze für Touristen vorfinden. Wir haben (mit zugegeben etwas mulmigem Gefühl) einfach am Straßenrand geparkt. Um auf Nummer sicher zu gehen, hier niemandem vor den Kopf zu stoßen, wollten wir eine Ziegenhirtin fragen, die uns entgegen kam. Das entpuppte sich jedoch als eher schwierig, da die Dame natürlich weder Deutsch noch Englisch sprach (was ich auch nicht wirklich erwartet hatte) und auch ein klein wenig verrückt schien. Da sie aber total freundlich war und einen Schwall an Worten über uns ergoss (anscheinend ohne zu begreifen, dass wir nicht eines davon verstanden), gingen wir einfach guter Dinge davon aus, dass unser Auto bei unserer Rückkehr noch an seinem Platz stehen wird.

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 10,9 km
Höhenmeter: 360 m
Tour auf komoot.de ansehen.

Im Kontrast zur vorherigen Tour starteten wir an diesem Tag mit dem Abstieg ins Tal, genauer gesagt in den Canyon. Von Golubic aus kann man die Krupa noch nicht sehen, hat aber einen weiten Ausblick über eine steinig, hügelige Landschaft, die ein mal mehr an Winnetou erinnert. Apropos Winnetou, ich habe die letzten Sofa-Wochen dazu genutzt, endlich meine Wissenslücke in Sachen Karl-May-Verfilmungen zu füllen und durchaus Geschmack daran gefunden. Daran waren die Urlaubserinnerungen wohl nicht ganz unschuldig.

Sobald man den Rand des Canyons erreicht und hinab ins Tal blickt, raubt es einem den Atem. So ging es mir zumindest. Ich musste alle paar Meter stehen bleiben, Fotos machen und ein “das ist so unfassbar schön” von mir geben. Ich konnte wirklich nicht genug von diesem Anblick kriegen. Die türkisgrüne Krupa schlängelt sich in ihrem grünen Flussbett durch die grauen Felsmassen und wird (weil das noch nicht schön genug ist) regelmäßig durch Wasserfälle unterbrochen. Entlang diesen Ausblicks stiegen wir hinab ins Tal. Mir brannten noch die Oberschenkel von unserer Paklenica-Tour, aber ich ignorierte den Schmerz, bis er mit der Zeit verging. Ins Tal gelangten wir an der Stelle, wo die Krupa in die Zrmanja fließt. Der Zrmanja Canyon ist wesentlich bekannter und insbesondere ein beliebtes Ziel für Rafting- und Kanutouren.

Wenige Meter von unserer Abstiegsstelle entfernt befindet sich der Visoki Buk — ein etwa 10 Meter hoher Wasserfall und Rastplatz unserer Wahl. Hier konnten wir nicht nur unsere ersten Brötchen verspeisen, sondern auch einer Kayak-Gruppe beim Überwinden des Wasserfalls zusehen. Wir hatten das Gefühl, die Gruppe war ein wenig überrascht über Publikum an einem so abgeschiedenen Ort.

Auf der Suche nach dem Weg.

Vom Wasserfall aus machten wir uns auf durch das Tal Richtung Kudin Most — einer ziemlich coolen, alten Steinbogenbrücke über die Krupa. Auch hier kann ich die Kennzeichnung der Wanderwege wieder nur loben; verlaufen kann man sich hier kaum (ok, das ist entlang eines Flusses im Allgemeinen schwierig…). Allerdings scheint Frühjahr nicht die beste Jahreszeit für eine Wanderung durch den Canyon zu sein. Zum Teil standen die ufernahen Wege unter Wasser und wir mussten entweder einen Weg außenrum suchen, oder abenteuermäßig über Baumstämme balancieren. Irgendwie kamen in meinem Kopf immer wieder Bilder von Pippi, Tommi und Annika auf ihren Abenteuern hoch und ich hab mich wieder wie ein Kind gefühlt. Wer mag schon langweilige Wanderungen auf denen alles nach Plan verläuft???

Leider, leider konnten wir aber nicht für alle Hindernisse eine Umgehung finden. Um dem Wanderweg Richtung Kudin Most zu folgen, hätten wir die Krupa schon vor der Steinbrücke einmal überqueren müssen, um ans Südufer zu gelangen. Doch leider stand auch hierfür das Wasser zu hoch. Der Weg über den Fluss ließ sich nur erahnen. Wir haben sowohl versucht einen Weg am Nordufer zu finden, als auch das Risiko einzugehen, durchs Wasser zu waten. Letztlich war es uns aber doch zu riskant: ich schwanger, die Erlebnisse in Paklenica noch in den Knochen und insbesondere die Ungewissheit, ob denn die doch sehr flache Steinbogenbrücke dann überhaupt begehbar sein wird. Nach langem Hin und Her beschlossen wir also umzudrehen.

Auf dem Rückweg ließ sich dann wenigstens noch einmal die Sonne blicken (nach leichtem Gewitter am Mittag) und überzeugte die Hälfte unserer Gruppe zu einer Abkühlung im glasklaren, türkisgrünen Nass. Einer sehr kurzen Abkühlung. Im sehr kalten Nass. Es war eben doch erst April.

Der Aufstieg Richtung Gobulic war dafür ein sehr angenehmer. Nicht zu steil, nirgends mussten wir klettern, stattdessen konnten wir noch einmal die Aussicht ins Tal genießen. Zurück in Golubic fanden wir unser Auto auch genauso vor, wie wir es verlassen hatten und kehrten erschöpft und zufrieden (und nur leicht enttäuscht, dass uns die tolle Steinbrücke entgangen ist) zurück in unsere Unterkunft.

Ein letzter Blick ins Tal