Vier Monate liegt meine letzte Tour auf dem Rad nun zurück. Nach unserem Kroatienurlaub hat die Murmel einfach nicht mehr zwischen mich und mein Mountainbike gepasst. Also hieß es erstmal pausieren, bis der Sohnemann auf der Welt ist und Mama wieder fit. Ich hab ehrlich gesagt damit gerechnet, dass ich erst die nächste Radsaison wieder einsteigen werde. Vermutlich kam mir hier aber der jahrelange Sport zugute. Mein Körper hat sich schnell von der Schwangerschaft und der Geburt erholt und ich werde hibbelig und sehne mich nach Bewegung. Und da auch der Zwerg jetzt nicht mehr wie ein Schluck Wasser im Fahrradanhänger sitzt, wurde es Zeit, mich endlich wieder auf den Sattel zu schwingen.

Das Wetter passt: sonnig, nicht zu warm. Ich plane eine Tour für mich und den Zwerg. Aber was kann ich meinem Körper zumuten nach der Pause und vor allem nach der körperlichen Belastung einer Schwangerschaft/Geburt? Und was kann ich dem Zwerg zumuten? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, also kann ich nur meiner Intuition vertrauen und es herausfinden. Eins ist klar: erstmal sind Radwege und Asphalt angesagt. Singletrails machen sich schlecht mit Fahrradanhänger. Und trotz der tollen Federung unseres Thule Chariots, will ich den Zwerg auch nicht durchrütteln. Also erkunde ich die Radwege der Umgebung und nutze die OpenCycle Map Ansicht auf komoot. Ein Dank geht hier an die Entwickler von OpenCycle Map für ihre Arbeit! Auf komoot kann ich außerdem die Wegtypen und Wegbeschaffenheit einsehen. Super also zur Planung meiner Route. Aber wie viele Kilometer und Höhenmeter kann ich mir zutrauen? Und was macht das zusätzliche Gewicht des Anhängers schließlich aus?

Höhenprofil von komoot.de

Distanz: 39,9 km
Fahrradweg: 73%
Straßenbelag/Asphalt: 97%
Höhenmeter: 360 m
Tour auf komoot.de ansehen

Ich plane 40 Kilometer mit etwa 400 Höhenmetern. Sollte machbar sein, denke ich mir. 2,5 Stunden Fahrzeit berechnet komoot, wenn man “gut in Form” ist. Bin ich das? Wohl kaum… Aber ich habe ja den ganzen Tag Zeit. Ein Hoch auf die Elternzeit. Ich bereite mich also entspannt auf die Tour vor: Kind wickeln, Kind stillen, Kind anziehen, mich anziehen, den Anhänger packen. Die erste Feststellung des Tages: es dauert bis man los kommt. Macht aber nix, ich lasse mich nicht stressen und der Zwerg bleibt tiefenentspannt. Ich liebe ihn. Ein tolles Kind. Gegen halb 11 fahren wir endlich los. Wir folgen der D4 — einer nationalen Fahrradroute — durchs Paradies, über den Autobahntunnel und über die Dörfer bis nach Laasdorf. Bis hier alles super entspannt, kaum einen Höhenmeter zurückgelegt. Dann verlassen wir den Fahrradweg und fahren über teils mehr teils weniger befahrene Landstraßen Richtung Schöngleina. Hier geht es langsam bergauf und ich merke, was das Gewicht des Anhängers bei jedem Höhenmeter ausmacht. Ich habe mal versucht zu errechnen, was da in etwa an Kilos zusammenkommt. Da zieht man locker mal 30 Kilo hinter sich her.

Unsere Fahrradanhängerkonstruktion

An der Stelle sollte ich vielleicht ein paar Worte zu unserer Fahrradanhängerkonstruktion sagen. Wir hatten es uns in den Kopf gesetzt, dass die Babyschale im Anhänger das sicherste für den Zwerg ist. Was für Sicherheit im Auto sorgt, kann für den Fahrradanhänger nicht verkehrt sein. Die Fahrradanhängerhersteller scheinen allerdings nicht dieser Meinung zu sein. Zumindest haben wir kein Modell gefunden, das unseren Vorstellungen in der Hinsicht gerecht wurde. Also hieß es Eigenbau und Papa, Opa und Onkel haben sich ans Werk gemacht um dem Kleinen die größtmögliche Sicherheit zu bieten. Und ich muss sagen, ich bin mit dem Endergebnis super zufrieden! Die Babyschale sitzt bombenfest im Anhänger und der Zwerg scheint sich darin pudelwohl zu fühlen.

Entspannen im Schatten

Natürlich weiß ich, dass man die Kleinen nicht ewig in der Babyschale sitzen lassen sollte und daher sind regelmäßige Pausen das A und O auf so einer Tour. Aber nicht nur deswegen; der Milchzwerg soll ja auch Nahrungstechnisch auf seine Kosten kommen und auch bei mir schlich sich gegen 12 langsam der Hunger ein. Also suchten wir uns nach 23 Kilometern ein schattiges Plätzchen am Feldrand und machten ein zünftiges Mittagspäuschen. Für eine Outdoormama ist es ein wunderbarer Moment, wenn sie den Fahrradanhänger öffnet und ihr ein zufriedenes Outdoorbaby entgegen lächelt. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass unser Sohn so unkompliziert ist und sich damit das Elternsein mit unserer größten Leidenschaft verbinden lässt.

Nach dem Päuschen ging es erstmal bergab bis nach Thalbürgel und dann wieder eine ganze Weile bergauf bis kurz vor Kleinlöbichau. Und hier habe ich sie dann wirklich gemerkt, die 30 Kilo Zusatzlast. Meine Beine fühlten sich langsam wie Pudding an und ich pedalierte im Schneckentempo die seichte Steigung hinauf, bis ich schließlich die letzten Meter schieben musste. Das kratzt am Fahrradego. Aber nach ein paar Touren mit Anhänger, wird die Kraft in meine Oberschenkel zurück kehren. Die letzten Kilometer rollte ich dann entspannt bergab zurück in die Innenstadt und nach einem stärkenden Eiskaffee als Belohnung war ich wieder fit genug, um noch den gemeinen Anstieg nach Hause (mit bis zu 15% Steigung) zu bezwingen. Ego wieder hergestellt. Gesund und glücklich sind Outdoorbaby und Outdoormama wieder zu Hause.

Das Wichtigste nach so einer Tour: viel Bewegung für den Zwerg. Da liegt wohl der große Unterschied: wäre ich früher nur noch erschöpft aufs Sofa gefallen, bespaße ich heute noch den Nachwuchs. Verrückt wie viel Energie so ein kleines Wesen in einem freisetzt…

BTW: Die Tour ist auch absolut Rennrad geeignet und damit hätte ich es mir vermutlich auch etwas leichter gemacht. Aber einfach kann ja jeder 😉