Der Nationalpark Plitvicer Seen hat mich überhaupt erst auf Kroatien aufmerksam gemacht. Die Fotos im Netz sind dermaßen beeindruckend, dass es gar nicht in Frage kam, keinen Abstecher dorthin zu machen. So planten wir unsere Rückroute mit einer zusätzlichen Übernachtung in der Nähe des Nationalparks. Da wir erst gegen Mittag in Plitvička Jezera ankamen, blieb uns nur ein halber Tag für die Erkundung der Seen. Auch wenn die Plitvicer Seen der flächenmäßig größte Nationalpark Kroatiens sind, wurde unsere Befürchtung, dass uns die Zeit nicht ausreicht, nicht bestätigt.

Leider gibt es online kein vernünftiges Kartenmaterial des Nationalparks und getrackt habe ich unsere Route auch nicht. Ich habe euch die gelaufene Strecke aber trotzdem mal bei komoot zusammengestellt. Gestartet sind wir am Eingang 2 (der südlichere der beiden Eingänge). Hier sollte man starten, wenn man die oberen Seen erkunden möchte. Bedenkt, dass der Eintritt gebührenpflichtig ist. Mit der Parkbahn sind wir von der Station 2 zur Station 4 gefahren und somit direkt zum obersten See, dem Prošćansko Jezero.

Und hier ging der Wahnsinn auch direkt los. Plötzlich hatten wir das Gefühl wieder in der Heimat zu sein, umgeben von einer Reisegruppe deutscher Senioren, die — wie es sich für gute Deutsche gehört — erstmal über irgendetwas beschweren. Die deutschen Rentner wurden nur noch von einer italienischen Reisegruppe getoppt, deren Reiseführer (wie wir dank der italienisch Kenntnisse unserer Begleitung erfuhren), so sinnvolle Informationen preisgab, wie “In den Seen leben Fische” — bravo! So schön die Plitvicer Seen sind und so sehr sie es verdient haben, UNESCO-Weltnaturerbe zu sein — für uns haben sie dadurch unglaublich an Attraktivität verloren.

Die Seen locken jährlich etwa eine Million Besucher an. Das ist einfach zu viel und es macht keinen Spaß mit den Touristenmassen durch das Parkgelände geschoben zu werden. Viele der Wege sind Holzstege entlang und über die Wasserfälle. Das ist einerseits natürlich extrem cool, andererseits ermöglichen sie aber auch kein Vorbeikommen, wenn die Reisegruppe vor einem das hundertste Foto schießt. Hinzu kommt, dass die Parkbesucher nicht unbedingt die klassischen Wanderer und Naturliebhaber sind und dementsprechend auch nicht immer das sinnvollste Outfit für einen Besuch im Nationalpark gewählt haben. Absatzschuhe und Minirock sind nicht unbedingt praktisch auf nassen Holzstegen…

Ok. Massentourismus ist scheiße. Punkt. Aber nun genug zur negativen Seite unseres Ausflugs. Widmen wir uns lieber den schönen Seiten des Nationalparks, denn diese sind definitiv einen Ausflug wert. Das Wasser schlängelt sich derzeit über unzählige Wasserfälle durch 16 kaskadenförmig angeordneten Seen. Die Landschaft ist alles andere als beständig. Die Seen und Wasserfälle verdanken ihr Aussehen der Ablagerung von Kalk und ändert sich ständig. Neue Seen und Wasserfälle entstehen, alte versiegen. Natürlich sieht der Park auch zu jeder Jahreszeit anders aus, je nach dem, wie viel Wasser die Zuflüsse tragen. Im Frühjahr sind die Wasserfälle besonders voll. Im Gegensatz zur Landschaft an der Küste, fehlte mir hier im April jedoch das Grün. Auch war es wesentlich kälter und zudem Nass. Für einen Ausflug zu den Plitvicer Seen sind vielleicht doch die Sommermonate die bessere Wahl. Allerdings denken sich das vermutlich die meisten Touristen.

Unsere Tour führte uns über Holzstege durch die oberen Seen. Das wirklich Tolle an Plitvice Nationalpark ist, dass man den Wasserfällen ganz nah kommt und sogar teilweise darüber läuft. Der größte Wasserfall an den oberen Seen ist der Galovac-Wasserfall mit 25 Metern. Kurz hinter dem Wasserfall zwang uns der Regen zu einer kurzen Verschnaufpause und ermöglichte uns auch etwas Abstand zwischen uns und den Touristenstrom zu bringen. Ab da wurde unsere Wanderung wesentlich entspannter.

Wir wanderten bis zur Fähre am Kozjak. Von hier aus hätten wir mit der Fähre zurück zum Parkeingang fahren können oder den See nach Norden hin überqueren. Wir entschieden uns für “weder-noch” und stattdessen für unsere Füße und umrundeten den See zur Hälfte entlang eines gemütlichen Trails direkt am Westufer. Diesen Abschnitt kann ich nur empfehlen, denn hierhin verirren sich die wenigsten Touristen. Stattdessen hatten wir einen anderen Begleiter. Ein kleiner Streuner spielte für uns den Reiseführer rund um den See, lief uns immer ein paar Meter voraus, checkte die Lage, kam zurück und teilte uns mit, dass alles im Lot war. Freilaufende Hunde sind im Nationalpark eigentlich verboten, deswegen sind wir uns nicht sicher, was die Geschichte des Kleinen war. Am Rastplatz am Ende des Sees verlies er uns jedenfalls wieder — er schien seine Aufgabe als erledigt angesehen zu haben.

Am Rastplatz legten wir ein Päuschen ein. Das Restaurant hier ist nicht zu empfehlen, weder Kaffee noch Pommes schmeckten. Also lieber selbst verpflegen. Wir liefen weiter zur Station 1 der Parkbahn. Hier trennten sich unsere Wege. Ein Gewitter war im Anmarsch und schwanger wie ich war, merkte ich, dass ich es nicht mehr schnell genug bis zum großen Wasserfall und zurück schaffen würde. Deswegen fuhren Mr. 2RadLiebe und ich zurück zum Parkplatz und die anderen spurteten noch zum Veliki slap, dem mit 78 Metern größten Wasserfall Kroatiens. Und sie haben euch natürlich auch ein paar Fotos mit zurück gebracht.

Mit bestem Timing sammelten wir die beiden am Eingang 1 wieder ein und fuhren zurück in unsere Unterkunft, um den Tag und damit auch unseren Kroatienurlaub in Ruhe ausklingen zu lassen.